Eine gepolsterte Sitzbank ist kein Klettergerüst

T3 Campingausbau – Rückbank polstern

Wir polstern unsere klappbare Rücksitzbank in unserem Bulli

Wie sicher viele von euch haben auch wir unseren T3 Bus selbst zum Campingfahrzeug ausgebaut. Schränke, Verkleidungen und technisches Equipment. Alles selbst verbaut. Einiges haben wir auch aus bekannten Systemen übernommen, wie zum Beispiel unsere klappbare Rücksitzbank. Diese stammt aus einem T3 mit REIMO Ausbau, welcher vor Jahren schon verschrottet worden ist. Um das polstern dieser Rücksitzbank soll es in diesem Beitrag gehen.

Warum das Ganze?

Seit wir unsere kleine Tochter in unser Busfahr-Team aufgenommen haben reisen wir nicht mehr zu zweit, sondern natürlich zu dritt. Im Rahmen unserer 3-Monatigen Elternzeitreise und deren Vorbereitung stand auch die Rücksitzbank auf der Agenda.

Der IST-Zustand

Vor der neuen Polsterung besteht unsere Klappbank lediglich aus zwei Sperrholzbrettern, welche über die entsprechenden Scharniere zur Schlafbank umgebaut werden. Nun ist es aber so, dass unsere Prinzessin hinten mitfährt und in ihrem doch so zarten Alter auch während der Fahrt etwas menschliche Beschäftigung und Zuwendung benötigt. Also muss Katrin auch über längere Strecken hinten sitzen können, ohne dass der Popo weh tut.

T3 Klappbank ohne Polster
Auf der Klappbank ohne Polster macht lange Sitzen keinen Spaß

Die Lösung – Rückbank polstern

Unsere Vordersitze wurden im Rahmen der Restauration im Jahre 2009 von einem Sattler neu bezogen. Glücklicherweise war von dieser Aktion noch reichlich kaschierter (auf der Innenseite ist eine Schicht Schaumstoff aufvulkanisiert) Bezugsstoff für Autositze übrig, welcher perfekt zu den Vordersitzen in unserem Reisemobil passt. Das sollte man natürlich vorher gut ausmessen. Also steht der Plan, unsere klappbare Rücksitzbank wird ordentlich aufgepolstert.

Einkaufsliste zum Polstern (falls nicht vorhanden)

Polstern in der einfachen Art und Weise

Polstern ist nicht so schwer wie es zuerst klingt. Man muss sich nur einmal heran trauen. Wir haben es folgendermaßen ausgeführt. Zuerst haben wir natürlich die Lehne und Sitzfläche unsere Klappbank aus dem VW Bus T3 ausgebaut.

Wir beginnen mit der Sitzbank und legen die nach der gründlichen Reinigung zuerst verkehrt herum auf dem Schaumstoff. Mit einer Hand haltend kann man mit dem Cuttermesser und einer scharfen Klinge sehr gut den Schaumstoff passgenau zuschneiden. Danach klappen wir das Brett der Rückenlehne an der langen Seite nach oben und Sprühen den Schaumstoff ( und ggf. auch das Holzbrett) ordentlich und gleichmäßig bis zum Rand mit Sprühkleber ein (beachtet dabei die Antrocken- und Verarbeitungshinweise des Klebers). Nach der vorgegebenen Antrocknungszeit drücken wir das Brett der Rückenlehne gleichmäßig auf den Schaumstoff. Anschließend stellen wir unser neues Schaumstoffbrett kurz zur Seite. Als nächste Schicht verwenden wir gegen die Abreibung des Schaumgummies ein dünnes Polstervlies. Dieses schneiden wir grob zu. Achtet dabei darauf, dass auf jeder Seite mindestens Schaumstoffhöhe + Bretthöhe + 5cm überstehen. Flach auf unsere saubere Werkbank gelegt und glatt gestrichen kommt unsere bereits vorbereitetes Schaumstoffbrett mit der Schaumstoffseite darauf. Natürlich wird vorher auch auf dieser Seite der Schaumgummi mit einer dünnen schicht Sprühkleber versehen. Wenn es mittig liegt, können wir damit beginnen das Vlies auf der langen Seite sauber umzuschlagen und in großen Abständen festzutackern. Nun das ganze auf der gegenüberliegenden Seite. Das Polstervlies sollte dabei nicht zu locker sitzen, aber auch nicht extrem fest gezogen werden. Dann natürlich noch die beiden kurzen Seiten. Die Ecken faltet ihr einfach sauber ein. So weit so gut.

Der etwas anstrengendere Teil der Polsterung

Jetzt geht es ans Eingemachte. Jetzt heißt es noch einmal die Arbeitsfläche säubern. Nun schneiden wir zuerst den Bezugsstoff zu. Für diejenigen, die gut mit einer Nähmaschine umgehen können empfiehlt es sich die Ecken zu markieren und auszumessen, um diese entsprechend ausnähen zu können. Wir gehören leider nicht dazu. Ebenfalls ist es wichtig auf die Musterung des Bezugsstoffes zu acht, falls ihr das habt.

Nach dem Zuschneiden beginnen wir nun wieder an einer langen Seite mit dem Umlegen des Bezugsstoffes. Hier darf es ruhig etwas straffer werden, aber achtet darauf, dass der Stoff nicht verrutscht. Wir tackern erst mittig, dann die Ränder und arbeiten uns gleichmäßig wieder nach innen. Dann wieder die gegenüberliegende Seite. Anschließend die beiden kurzen Seiten analog dazu. Falls die eine oder andere Tackerkrampe nicht ganz sitzt, kann man mit einem sauberen Hammer nachhelfen oder diese ziehen und neu tackern.

Das schwierigste sind die Ecken

Die Profis und jene, die nähen können haben es jetzt einfacher, denn dann passen die Ecken schon und man kann alles schön sauber tackern und fertig. Wie gesagt, wir nicht. Wir legen die Ecken. Mit viel Mühe und mehreren Anläufen klappt es dann durch probieren und verschieden Falttechniken doch, die Ecken ansehnlich herum zu schlagen. Das war mit Abstand das Zeitaufwendigste beim Polstern. Wenn das getan ist, schauen wir uns unser fast fertiges Werk an. Ist alles in Ordnung wird jetzt fest getackert. Das bedeutet auf jeden Zentimeter Bezugsstoff auf der Rückseite kommt eine Krampe aus dem Tacker. Im Schluss verschneiden wir noch Polsterstoff und Vlies, dass es ordentlich und gleichmäßig aussieht.

Wenn auch das mit ungewohnten Gefühlen in der Hand beendet ist dürfen die Ordentlichen unter uns noch einen dünnen Abdeckstoff anbringen, dass man die Ränder des richtigen Polsterstoffes nicht mehr sieht. Wir holen das bei uns auch noch nach.

Dann ist die Rückenlehne der Klappbank auch schon fertig. Mit der Sitzfläche machen wir das ganz genau so. Dann wird beides wieder montiert und fertig ist eine wunderschöne selbst gepolsterte Rücksitzbank.

Kopfstütze für die Sicherheit

Da wir an dieser Rücksitzbank keine Kopfstützen haben, kommt eine lang ergrübelte Idee zum Einsatz. Wir verlängern unseren Dachschrank nach vorne und versehen ihn mit einer neuen größeren Klapptüre über die komplette Breite der Sitzbank. Diese Schranktüre polstern wir mit dem Stoffrest im gleichen Muster, nur mit etwas dünnerem Schaumstoff. fertig ist die Kopfstütze, ohne dass irgendwas im Weg ist. Und stimmig sieht es dazu auch noch aus.

T3 Elternezit im VW Bus
Die neue Kopfstütze schützt auch vor Kletterverletzungen

Diese Kombi hat sich auf unserer langen Reise durch Spanien und Portugal bestens bewährt.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal betonen, dass wir keine Sattler und keine Polsterprofis sind. Dies soll nur ein Leitfaden und eine Beschreibung sein, wie wir es in unserem Bulli umgesetzt haben.

Hast du…

… auch schon selbst gepolstert?
… Fragen?
… andere Erfahrungen als wir?

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5 comments on “T3 Campingausbau – Rückbank polsternAdd yours →

  1. Hi Ihr Zwei,
    danke für die ausführliche Anleitung zum polstern der Bank.
    Wie schaut es mit der Belüftung der Polster von unten aus, muss ich mir da Gedanken um Schimmel machen ?
    Wie sind da eure Erfahrungen bisher ?

    1. Hallo Dennis. Vielen Dank. Wir haben keinerlei Probleme damit. Wir haben keine Löcher von unten gemacht. Aber sowas habe ich auch schon gesehen. Wir heizen unseren Bus recht viel wenn es kühler ist und somit schlägt sich das auch nicht so krass nieder. Ich hoffe das hilft. VG Henry

  2. Hallo Zusammen, toller Bericht:-) Das Thema Kopfstütze habe ich auch schon länger, da auch bei uns ab und zu jemand hinten bei den Kids sitz und so einen Kopfschutz haben sollte. Werde mir somit überlegen, ob ich mir einen Dachschrank zulegen sollte. Kannst Du von diesem Bereich bitte noch ein paar Fotos mehr zeigen? Wäre echt nett.
    Vielen Dank und Gruss
    Sven

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